Servus und willkommen im Ranger Tagebuch! : )

 


 

 

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Mein "Hintergrund" und die Idee des "Ranger Tagebuches"

Mein Arbeitgeber ist der liebenswürdige Verein Lebensraum Lechtal, welcher sich um den Schutz und die Pflege von Lebensräumen im Lechtal, um die Umweltbildung (z.B. Schulpatenschaften) sowie die Vernetzung der Hauptakteure im Naturschutz am Lech kümmert.

 

Gefördert wird die Ranger Stelle durch das Bundesamt für Naturschutz im Rahmen eines wundervollen Verbundprojektes, welches sich um zwei Hotspot Gebiete, das heißt um Gebiete mit hoher biologischer Vielfalt kümmert und die Landschaften pflegt, unterstützt und fördert, Umweltbildung betreibt und außerdem wissenschaftliche Monitorings/Beobachtungen und Untersuchungen finanziert und durchführt.

Dieses schöne Projekt heißt "Alpenflusslandschaften. Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze".

 

Begriffsklärung                                                                                                                                                                 

Biologische Vielfalt (Diversität) umfasst                                                                                                            

  • die genetische Vielfalt
    (Unterschiede in den genetischen Informationen von Individuen innerhalb einer Art)

  • die Artenvielfalt
    (Anzahl von Arten in einem bestimmten Lebensraum)

  • die Vielfalt der Ökosysteme
    (Vielfalt der Lebensgemeinschaften)

 

Die Idee zu dem Ranger Tagebuch haben wir im Verein schon länger und zurzeit passt es einfach am besten das Projekt anzugehen. Ihr findet hier also demnächst sporadisch eingestellte Video-, Foto-, und Textbeiträge zu verschiedenen Themen am Lech.

 

Die Beiträge sollen Euer Interesse wecken, Euch fachlich informieren aber auch leicht verständlich sein, denn dies ist auch eine Seite für Kinder : ) Das wird also eine kleine Gradwanderung ; )

 

Hier wird es Rätsel und Experimente zum Nachmachen geben, auf welche ich mich natürlich auch besonders freue : )

Ich bin aber auch schon gespannt auf Eure Kommentare, Verbesserungsvorschläge, Berichtigungen und Eure Lösungen zu den Rätseln.

 

Meine vorwiegende Motivation für dieses Projekt ist das Anliegen, Euch den Lech näher zu bringen. Ich möchte ihn Euch also in diesen Beiträgen (näher) vorstellen.

Somit lege ich ihn beziehungsweise seine Zukunft in Eure schützenden Hände : )

 

Denn der Lech braucht uns beziehungsweise einen bewussten Umgang mit ihm und seinen Landschaften.

Einst war er ein lebendiger, reißender, tosender und vor allem wilder Fluss, also ein echter Wildfluss. Dadurch, dass wir ihn in den letzten 200 Jahren verbaut, begradigt und aufgestaut haben ist er nicht nur kein Wildfluss, sondern auch kein richtiger Fluß mehr, er ist eher eine Mischung aus Fluss und stehendem Gewässer. Ein sogennantes "Hybridgewässer" (nach Eberhardt Pfeuffer).

Der Lech wird deswegen auch als Stauseenkette bezeichnet, weil er so viele Staustufen und mit jeder Staustufe einen Stauseee besitzt.

Es gibt am Lech noch artenreiche Lebensräume, welche durch die Dynamik eines Wildflusses entstanden sind. Damit sie nicht völlig verschwinden, müssen sie gepflegt werden. Daneben sollte es selbstverständlich sein, dass wir unseren Müll mitnehmen und ihn nicht in der Natur, auf Wegen oder im Gebüsch hinterlassen.

 

Bild: Müll am Lech

 


 

Das Ranger Tagebuch ist ein Experiment, ich bin selbst gespannt was daraus entsteht und freue mich auf regen Austausch mit Euch :)

 

Alle Angaben zu Heilkräutern sind ohne gewähr.

Alle Bilder in diesem Blog sind, sofern nicht anderweitig mit Quellenangabe gekennzeichnet, Eigentum vom Lebensraum Lechtal e.V.

 

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen! : )

 

Wieso habe ich den Lech so lieb gewonnen?

Ich bin seit April 2019 am Lech beim Lebensraum Lechtal beschäftigt und habe mich davor hauptsächlich für das Ökosystem Wald interessiert. Wieso habe ich persönlich nun aber den Lech so lieb gewonnen?
Der Lech ist für mich vor allem deswegen so interessant, weil er so unfassbar vielfältig ist und eine sehr bewegende Geschichte hat.

Wenn ich "viefältig" schreibe meine ich die Vielfalt an Lebensräumen und Landschaften. Diese resultieren zum einen aus der früheren Dynamik der reißenden und kraftvollen Wassermengen des Lechs selbst, also der Dynamik des früheren Wildflusses Lech. Zum anderen gibt es (auch im weiteren Einzugsgebiet des Lechs) viele kleinräumig unterschiedliche Bedingungen für unterschiedliche Arten, die duch die Entstehungsgeschichte des Lechs geprägt wurden. Das waren vor allem die Bewegungen der großen Eis- und Wassermassen der letzten Eiszeiten (der Rißesizeit und der Würmeiszeit).

Bilder: Ein kleiner Einblick in die verschiedenen Lebensräume (hier gibt´s beim Durchklicken noch mehr Infos)

 

Wenn ich die bewegende Geschichte des Lechs anspreche, dann fange ich gleich an in Tagträume abzuschweifen. Ich werde hier nicht anfangen die Besiedlungsgeschichte seit 2000 Jahren vor unserer Zeitrechnung chronoligisch aufzuschreiben. Da gibt es andere Quellen und natürlich auch fachlich geeignetere Personen. Aber einen kleinen Abstecher in die frühe Siedlungsgeschichte des Lechs will ich doch wagen : )

Bild 1: Nachbau einer keltischen Siedlung im Archäologischem Museum Liptovska Mara-Havranok in der Slovakei

Ich denke da zu aller erst an die Kelten und an die erste schriftliche Erwähnung eines Wortes, welches auf den Ursprung des Namens unseres Lechs hinweist. Ein Stamm der keltischen Stammesgruppe der Vendaliker hieß nämlich "Licates" und siedelte am Lech [1]. Ein gewisser Herr Contzen beschreibt im Jahr 1861 diesen Stamm wie folgt: "die Likatier am Licus, welche sich besonders durch ungebändigte Wildheit hervorthaten" [2].
Hmm.. Das ist doch Interessant! Denn unser Lech war noch vor ungefähr 150 Jahren ein richtiger Wildfluss und wurde um diese Zeit herum natürlich auch noch  als besonders gefährlich und wild beschrieben. Im Jahre 1955 berichtet Knussert über den Lech "Er bricht hervor bei Füssen - schäumend aus der Schlucht des Stromes - gewaltig tobend erschüttert er den entgegen-stehenden Fels. Grausamen Zahns nagt er die grünen Ufer an." [3].

Ein richtiger Wildfluss war er, den die Menschen damals noch nicht zu bändigen wussten. Man kann sich vielleicht vorstellen wieviel Furcht und Respekt die Kelten vor seinen Hochwässern hatten und seiner Kraft riesige Maßen an Geschiebe (Geröll aus den Alpen) zu transportieren. Damit einher kommt seine gewaltige Kraft ganze Steilhänge in seine Fluten zu reißen und so das Land auf einer bestimmten Uferseite zu stehlen. Wenn wir vergleichen wie wir den Lech in unserer heutigen Zeit wahrnehmen. Dann ist das natürlich ein ganz anderes Verhältnis von uns Menschen zum Lech. Wir können in unserer Freizeit die Litzauer Schleife mit dem Kajak herunter paddeln, können am Stadtstrand in Schongau, an der ausgeleiteten Strecke bei Gersthofen oder an anderen Stauseen sicher baden gehen und kriegen auch sonst nichts mehr mit von seiner einstigen Wildheit. Heutzutage freuen wir uns sogar wenn in einem Projekt wie "licca Liber" in Augsburg, dem Lech wieder Uferbereiche freigegeben werden, welche er sich langsam einverleiben kann.

Bild 2: Der wilde Lech um 1908 zwischen Landsberg am Lech und Augsburg

Mit diesem vorbildlichen Augsburger Projekt, dem "licca Liber" kehren wir gedanklich wieder zurück in die Vergangenheit und kommen vom keltischen Stammesnamen der "Likatier", zum keltischen Namen für den Lech selbst, das war der Name "licca" (verschiedene Quellen geben verschiedene Ausführungen wieder "licca". "lica" oder "licus"). Die Römer übernammen diesen Namen, was soviel heißt wie "der reißende Fluss". Die Wertach übrigens, ein Zufluss des Lechs, bekam den Namen "vindo", was "das grüne Wasser" bedeutet [4][5][6].

Allein zu den Römern könnte man schon einen ganzen Tag lang lesen und sich zum Beispiel vostellen, wie diese aus den schmalen Pässen, die bereits die Stämme der Kelten mit ihren Maultieren nutzten, zu einer  strategisch wichtigen Militär- und Handelsstraße ausbauten. Sie legten die Route für eine leichtere Orientierung vorwiegend geradlinig an, markierten sie mit säulenförmigen Steinen, pflegten sie regelmäßig und besetzten sie mit Wächtern an bestimmten Posten. So eine militärische Siedlung befand sich auf dem Lorenzberg bei Epfach [7]. Dieser Weg konnte mit einachsigen aber auch mit vierrädrigen Karren und Wägen, zum Teil reich verziert und überdacht, befahren werden [8]. Deshalb wurde die Route im Verlgeich zur Keltenzeit breiter ausgebaut, sodass Gegenverkehr möglich war [9].
Dieser Weg war die Via Claudia. Die Fernstraße verband die Menschen von der Adria und den Ebenen des Flusses "Po" bis zur Donau und war nicht nur Militär- und Handelsstraße, sondern diente auch als Europas Kulturachse [10]. Aus einem Militärlager, welches im 8. bis 5. Jahundert vor unserer Zeitrechnung an diesem Militärweg errichtet wurde, ging die erste Besiedlung der Stadt Augsburg hervor.

Und wenn wir uns vorstellen, dass wir gemeinsam einen damals üblichen Tagesmarsch auf der Via Claudia laufen würden, dann würden wir das zu Fuß machen, so wie die meisten Menschen in dieser Zeit, denn Pferde und Personenwägen konnte sich damals nur ein Bruchteil des Bevöklerung leisten. Mit "lederne[n] Schnürschuhe[n] mit 60 - 100 Nägeln auf den Sohlen" [11] würden wir 25 bis 30 Kilometer laufen, unseren Körper mit einfachem Essen stärken und uns in einer einfach Unterkunft zur Ruhe legen [12].

Bild 3: Sohle der Römersandalen und Bild 4: Römersandale

Ihr seht schon, da gibt es viel zu erzählen... Aber am besten ihr schaut euch das mal selbst an. Da gibt es zum Beispiel in Epfach das Museum Apodiacum, welches über den Einfluss der Römer in der Region erzählt oder ihr schaut euch das römische Landgut bei Peiting, die Villa Rustica an.

Von der Frühgeschichte will ich nun wieder mit euch zurück kommen, zu einem relativ aktuellen und sehr wichtigen geschichtlichen Ereignis am Lech. Es geht um den Kampf der Anwohner des Lechs, der ersten amtlichen Naturschützer und einiger engagierter Vereine und Gruppierungen, um den Erhalt des natürlichen Charackters des Lechs.

Es gab zwar schon frühe Versuche die Energie des Lechs nutzbar zu machen, so wurde das Lechwasser in Kanäle abgeleitet als der Stand der Technik es noch nicht erlaubte im wilden Lech  Staustufen zu errichten [13]. Als die Technik jedoch soweit war, wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts der alpine Wildfluss, im wahrsten Sinne des Wortes, ohne Rücksicht auf Verluste, rigoros verbaut. Aus dem wilden Hund (im Original "wüldar Hund"), wie Hans Schütz den früheren Lech in seinem Gedicht "Lechanklage" bezeichnet, wurde ein armer Hund (im Original "armr Hund").
Der Preis für den Hochwasserschutz und Landgewinn, bis teilweise direkt an die Ufer des Lechs, ohne jegliche Rücksicht auf die Natur, war und ist immer noch hoch.

Der Lech wurde zunächst "korrektioniert", das bedeutet in ein "kanalartiges enges Korsett aus Beton gezwäng" [14]. Sein geschwungener Verlauf (seine Mäanderform), seine Schlingen und Windungen wurden in eine gerade Form gebracht. Ab dem ersten Weltkrieg begann dann sogleich auch der systematische Bau der Staustufen. Der Höhepunkt des mit allen legalen und illegalen Mitteln duchgeführten Baus, indem seitens der BAWAG bereits ohne Genehmigung Arbeiten begonnen wurden oder entgegen bestehender Beschlüsse gebaut wurde, war der Bau der Roßhauptener Staustufe am Illasberg. Nach einem Zusammenschluss der vorher gennanten Aktuere, wie der Anwohner, Vereine, Universitäten und Naturschützern, wie dem ersten amtlichen Naturschützer, Professor Otto Kraus, konnte um 1960 herum, die Stausstufe 5 verhindert werden. Somit wurde die Litzauer Schleife, die heutzutage längste natunahe freifließende Strecke am Lech, ebenso wie ihr Umland, vor einer Flutung bewahrt. Die Illasbergschlucht, ein früher einmaliges Naturschauspiel wurde wie schon erwähnt, entgegen eines Beschlusses des Bayerischen Ministeriums aufgestaut (und ist heute bei niedrigem Wasserstand mit einer Schicht aus Schlamm bedeckt). Offiziell genehmigt war die Staustufe südlich (vor) der Illasbergschlucht, sodass hier das Wasser hätte frei fließen können und die Schlucht selbst nicht geflutet worden wäre. Die BAWAG baute jedoch die Staustufe nördlich (hinter) der Illasbergschlucht.

Bild 5: Die Litzauer Schleife

Ich möchte hier erwähnen, dass ich den Sinn der Verbauungen zum Hochwasserschutz oder zum Stillen des Energienot in den Nachkriegsjahren nachvollziehen kann aber die Art und Weise wie dies am Lech geschehen ist, das muss man zugeben, orientierte sich nur an wirtschaftlichen Interessen. Die Natur (die einmaligen unwiederbringlichen Landschaften, die Auen welche ebenfalls die Funktion des Hochwasserschutzes übernhemen, der Fluss als Lebensraum für wandernde Fische,...) wurden hier vollkommen übergangen. Ich frage mich wie ernsthaft die Abwägungen nach Sinnhaftigkeit oder Eignung aus ethischer oder natuschutzfachlicher Sicht heraus, überhaupt statt gefunden haben.

[Die ausführlichen Geschichten über die Rettung der Litzauer Schleife oder über das engagierte und standhafte Handeln von Professor Otto Kraus findet ihr hier: Beitrag von Eberhard Pfeuffer, Beitrag von Klement Sessar, Beitrag im altlandkreis, Beitrag in Umweltinitiative Pfaffenwinkel e.V.]

So eine bewegende Geschichte...! So viele Emotionen, welche sich hier an unserem Lech aufgeladen und abgespielt haben! So viel Tiefe und so vieles noch zu erzählen...

Der Lech kann einen richtig fesseln sage ich euch! Und dem Lech, unserem immer noch wunderschönen Lech, mit seiner türkisblauen erfrischenden Färbung, seiner Anziehungskraft für Erholungssuchende, kann man etwas "unter die Arme greifen". Denn auch heute noch gibt es viele engagierte Ehrenamtliche, Vereine, Gruppierungen und Ämter, die durch Pfelge- und Renaturierungsmaßnahmen restliche Wildfluss-Landschaften oder typischen Flussauen und somit die biologische Vielfalt, erhalten und schützen.

Das war also meine kurze Geschichte, wieso ich den Lech so lieb gewonnen habe.

Vielelicht habt ihr auch so eine Geschichte und möchtet mir diese schicken?

Textquellen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Likatier
[2] Leonhard Contzen, 1861, Die Wanderungen der Kelten, zitiert nach Stephan Gröschler http://www.kraftvolle-orte.de/kelten/die-wanderungen-der-alpen-und-donaukelten/die-raeter-und-vindeliker/
[3] Knussert 1955, Das Füssener Land in früherer Zeit; Allgäuer Heimatbücher, 53, zitiert nach Norbert Müller und Andreas Bürger "Flußbettmorphologie und Auenvegetation des Lech im Bereich der Forchacher Wildflußlandschaft (Oberes Lechtal, Tirol)"
[4] Klaus Münzer, 1974/75, Epfach, ein Römerort im Kreise Landsberg, Landsberger Geschichtsblätter 1974/75, S. 51
[5] Dr. v. Kaiser, 1820, Die römischen Alterthümer zu Augsburg und andere Denkwürdigkeiten des Ober-Donau-Kreises
[6] Eduard Widmoser 1970, Tirol Abis Z, S.465
[7] Klaus Münzer, 1974/75, Epfach, ein Römerort im Kreise Landsberg, Landsberger Geschichtsblätter 1974/75, S.51
[8] https://www.viaclaudia.org/geschichten/via-claudia-augusta-geschichten.html
[9] http://www.roemerstrasse-via-claudia.de/geschichte-der-via-claudia-augusta.c15.html
[10] https://www.viaclaudia.org/via-claudia-augusta-willkommen.html
[11] Volkmann, Hermann, 1992, Exkursionsführer Via Claudia, Augsburg, zitiert nach http://www.roemerstrasse-via-claudia.de/reisen-zur-roemerzeit.c7.html 
[12] http://www.roemerstrasse-via-claudia.de/raststationen-und-herbergen.c9.html
[13] Eberhardt Pfeuffer, 2010, der Lech
[14] Eberhard Pfeuffer, 2014, Biodiversitaetsverust durch Flussverbauung am Beispiel des Lechs, Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt (München)

Bildquellen:
Bild 1: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Celtic_settlement-Open-Air_Archaeological_Museum_Liptovska_Mara_-_Havranok,_Slovakia_1.jpg
Bild 2: Veröffentlicht mit der Erlaubnis des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth
Bild 3: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Parell_de_soles_de_sandàmlies_(caligae),_necròpolis_de_l'Albir,_Museu_Arqueològic_d'Alacant.JPG
Bild 4: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caliga,_Roman_soldiers_sandal_from_the_1st_Century_AD,_Landesmuseum,_Mainz_(11408265805).jpg
Bild 5: Autor Johanna Bötcher, bearbeitet Patrizia M.

Die Frühjahrsblüher


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Der Frühling ist da!
Offizell ist das in unserem Breitengrad der 21. März. Das ist der Zeitpunkt an dem der Tag und die Nacht gleich lang sind. Die Sonne geht an diesem Tag um 6 Uhr auf und um 18 Uhr wieder unter. Aber die Sonne macht noch etwas, ab jetzt steigt sie mittags immer höher und somit werden nicht nur die Sonnenstunden länger, sondern die Strahlen der Sonne treffen immer senkrechter auf den Erdboden. Im Vergleich dazu treffen die Sonnenstrahlen im Winter eher flach und auf eine größere Bodenfläche auf.

(Der hohle Lerchensporn mit einer Nektar naschenden Humel)

Zusatzinfo

Wieso ändert sich die Lage der Sonne?

Wieso ändert sich die Lage der Sonne und somit der Winkel der eintreffenden Sonnenstrahlen auf den Erdboden? Nicht die Entfernung der Erde zu Sonne (in unserer elliptischen Umlaufbahn um die Sonne) ist der Grund, sondern die Schieflage der Erde (die Ekliptik).

Die Rotationsachse der Erde steht zur Ebene ihrer Umlaufbahn nicht im 90 Grad Winkel, sondern schräg. (Würde man eine Senkrechte zur Bahnebene ziehen steht die Rotationsachse um 23,5 Grad schräg zu der Senkrechten)
Durch diese schiefe Lage wechseln sich die Jahreszeiten aud der Nord- und Südhalbkugel ab. Dadurch verändern sich Dauer und Intensität der Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche.

Wer sich hierfür näher interessiert, für den gibt es hier ein paar schöne Links zum besseren Verständnis: Beitrag von Dr. Norbert Gasch, Beitrag des BR https://www.br-online.de/wissen-bildung/spacenight/sterngucker/erde/sonnenwenden.html ,Beitrag von Christa Leonhartsberger http://schulen.eduhi.at/riedgym/physik/11/jahreszeit/start_jahreszeit.htm


Was heßt das also für unsere Pflänzchen in Deutschland und an unserem Lech?

Jetzt ist die Zeit des Wachstums gekommen!

Im Winter halten die meisten Pflanzen eine Art Winterschlaf. Es gibt nicht genügend Licht um Photosynthese zu betreiben (Energie in den Blättern zu produzieren/umzuwandeln), im Boden ist kaum Wasser vefügbar und durch die erhöhte Schneelast im belaubten Zustand können Äste und Zweige brechen. Bäume und Sträucher werfen also ihr Laub ab, andere Pflanzen überdauern die kalte Jahreszeit im Boden oder als Samen. Im Frühling erwachen die Pflänzchen wieder und wenn wir oft genung hinschauen, können wir den Frühjahrsblühern am Lech schon fast beim Wachsen zuschauen! : )

Zusatzinfo

Wie merken Pflanzen überhaupt, dass der Winter vorbei ist?

Pflanzen sind viel schlauer als wir Menschen es ihnen teilweise zugestehen möchten. Denn auch Pflanzen haben Sinne und erkennen nicht nur ihre Umwelt, sondern reagieren auch auf sich ändernde Umweltbedingungen [1].

Was bei uns die Augen, die Nase oder die Ohren erledigen, wird bei der Pflanze von bestimmte Molekülen, die für die Aufnahme bestimmter Reize verantwortlich sind, im ganzen Pflanzenkörper verteilt, übernommen. Wenn die Tage länger werden und die Sonnenstrahlen mehr Wärme geben, dann erkennen die licht- und temperaturempfindlichen Moleküle der Zellpflanzen dies und leiten die Information weiter. Es wird eine Reihe vor Informationsweiterleitungen angestoßen, die zu einer bestimmten Reaktion, zum Beispiel dem Wachstum der Pflanze führt.

Mit "inneren Wärmezählern", können Pflanzen die Anzahl warmer Tage zählen und mit einer "innere Uhr", "die ungefähr im 24 h Takt tickt" die Tageslänge messen [1].


Frühblüher sind die ersten blühenden Pflanzen an einem Standort, denn Ihre Taktik ist mit der Befruchtung fertig zu sein, bevor die ersten Bäume ihre Blätter entwickeln und ihnen dadruch das Sonnenlicht stehlen können. Die ersten Frühjahrsblüher, welche uns den Frühling angekündigt haben und die mir dieses Jahr als erstes aufgefallen sind, waren das wunderschöne Leberblümchen, der herrlich riechende Seidelbast und der leuchtend gelbe Huflattich. Diese drei Arten möchte ich Euch im Folgenden gerne vorstellen.

  (Pflanzennamen von links nach rechts; erste Zeile: rote Taubnessel, Scharbockkraut, Leberblümchen; zweite Zeile: Veilchen, Haselwurz, Buschwindröschen)

Das Leberblümchen

Das Leberblümchen hat seinen Namen der Form ihrer Blätter zu verdanken. Der deutsche und der lateinisce Name (Hepatica, lateinisch leberartig) beziehen sich nämlich auf die Ähnlichlkeit des Blattes an den Umriss der menschlichen Leber.

Das Leberblümchen (und den Seidelbast) findet man am Lech in steilen Hangleiten in Buchen- und Fichtenwäldern. Dieses Pflänzchen bevorzugt kalkreiche humusreiche Böden. Da wir uns hier am Lech befinden, welcher vor tausenden von Jahren bis vor 150 Jahren Kalkschotter aus den Alpen transportiert hat, ist diese Voraussetzung für das Vorkommen dieses Pflänzchens gegeben.
Unser Leberblümchen gilt sogar als Chrakterart mitteleuropäischer Laubwälder.

-Begriffsklärung-

Vielelicht fragt ihr euch jetzt, was eine Charackterart ist?

Auf der Erde treten Pflanzenarten in unterschiedlichen und wiederkehrenden Gesellschaften oder Gruppierungen auf. Anhand einer Charackterart, die an eine bestimmte Pflanzengesellschaft gebunden ist, kann also diese Pflanzengesellschaft erkannt/bennant werden.


Um das Leberblümchen also am Lech zu bestaunen, braucht ihr euch nur an einen Hangwald mit Buchenbestand zu begeben und nach Blüten mit 6-8 intensiv bläulich bis lila leuchtenden Kronblättern Aussschau zu halten (Mitte April ist die Blüte bereits verblüht).
Die Farbe der Kronblätter entsteht durch den Stoff Cyanidin. Der in anderer Form in anderen Pflanzen enthatlen ist, die wir alle kennen. So zum Beispiel im Rotkohl, in leckeren Himbeeren und Brombeeren oder in roten Rosen. Das Cyanidin kann als Indikator genutzt werden, um zu schauen, ob eine Flüssigkeit basich oder sauer ist. Vielleicht habt ihr schon einmal in der Schule ein Experiment mit Rotkohl zur Bestimmung des Ph-Wertes einer Flüssigkeit gemacht?!

Kommen wir zurück zu unserem Pflänzchen. Was neben diesem traumhaften bläulich/lila auffällt ist der weiße Kranz aus vielen zierlichen Staubblättern.

-Begriffsklärung-

Wo sind die Staubblätter (wo die Kronblätter)?                                                                                                        

 

Die Staubblätter setzen sich aus Staubfaden und Staubbeutel zusammen, in welchem der Pollen heranwächst. Könnt ihr euch vorstellen... in diesen zierlichen Staubblättern entstehen noch kleinere Pollen. Diese winzigen Informationspakete werden durch Bienen, Käfer und Schwebfliegen unwissentlich an den Stempel herangebracht. Nach dem Beühren des Pollens an der Narbe des Stempels entwickelt sich ein Polen, im Inneren des Fruchtknotens zu einem Samen. Schließlich entsteht aus diesem Samen wiederum ein neues Pflänzchen. Ist das nicht ein Wunder! So könnte man in einem kühlen Hangwald am Lech länger an einer wunderschönen Blüte eines Leberblümchens verweilen und sich vorstellen wie eine Schwebfliege das Pflänzchen bestäubt, wie der Pollen dabei die untereschiedlichen Stationen durchwandert, sich zum Samen verwandelt und schließlich zu einer Pflanze heranwächst.

Der Seidelbast


bevorzugt, wie auch das Leberblümchen warme, sonnige Plätzchen, vorwiegend auf Kalkböden in Misch-, Buchen- und Fichtenwäldern. Diesen kleinen und wenig verzweigten Strauch könnt ihr im Frühling vor allem an zwei Merkmalen erkennen. Zum einen entwickeln sich die Laubblätter dieser Pflanze nur an den Triebspitzen und die Blüten und Früchte wachsen direkt am Stamm. Das ist schon recht auffällig, denn diesen Aufbau, findet man sonst nur bei tropischen Pflanzen. Das zweite Merkmal ist wohl eines der schönsten Merkmale einer Pflanze, die die Menschen seit jeher efreut. Es ist ihr herrlicher Duft. Dieser ist schon von weitem zu riechen. Es ist mir schon öfters bei meinen Streifzügen in den Hang- und Buchenwäldern am Lech (im Zeitraum April bis Mai) passiert, dass ich den Seidelbast zuerst gerochen und ihn danach erst entdeckt habe. Die Samen und die RInde dieses Strauches sind jeweils durch verschiedene Wirkstoffe giftig. So ist er auch zu Alternativnamen, wie Pfefferstrauch [2], wegen seiner Schärfe oder "Kellerhals"[2], wegen Entzündungen im Hals nach der EInnahme bestimmter Teil der Pflanze. Auf der Seite botanikus.de wird die Herkunft des Seidelbastes beschreiben: "Anderen Deutungen zu Folge stammt der Name Seidelbast vom altdeutschen Wort zidal für Biene, da die Rinde (wie ein Bienenstich) Blasen erzeugt." [2]

Der Huflattich

 

Der Huflattich tanzt etwas aus der Reihe, was den Standort angeht, an welchem wir ihn antreffen. Ihr habt ihn sicher schon bei einem Spaziegang gesehen. Denn um ihn zu sehen muss man sich nicht unbedingt durch das Gestrüp kämpfen. Er wächst auf natürlich belassenen Wegen oder generell gerne auf steinigen Flächen, ist sehr anpassungsfähig und liebt es sonnig.

Im zeitigen Frühjahrsieht streckt er bereits den fleischigen, schuppigen Stängel und das Blütenköpfen empor. Die Blätter sprießen erst nachdem die Pflanze verblüht ist.

Textquellen:
[1] https://www.scinexx.de/wissenswert/woher-wissen-die-pflanzen-wann-es-fruehling-wird/
[2] https://botanikus.de/informatives/giftpflanzen/alle-giftpflanzen/seidelbast/

Ehrenamtliche Kümmerer

An einem sonnigen Tag war ich an der Staustufe 4 bei der Dessau unterwegs. Dort habe ich Kajak- und BootsfahrerInnen über den neuen (wegen einem Umbau der Staustufe zeitlich begrenzten) Bootseinstieg informiert. Dabei habe ich neben vielen anderen Freizeitsuchenden einen Mann und eine Frau entdeckt, die jeweils einen relativ großen Rucksack auf dem Rücken und eine große Mülltüte dabei hatten. Als ich dann gesehen habe, dass die beiden, wie ich später erfahren habe hießen sie Lutz und Kathrin, Zigarettenstummel aufhoben habe ich sie angesprochen. Meine Frage war, ob sie im Rahmen einer Aktion oder einer Gruppierung den Müll sammeln würden. Es hat sich herausgestellt, dass sie eine private mehrtägige Tour von Augsburg den Lech entlang unternahmen und dabei jeden Tag zusammen einige Tüten Müll sammelten. Größere "Fundstücke" wie große Folien oder Rohre legten sie neben größere öffentliche Müllcontainer oder Mülltonnen. Theresa meinte mit einem Lachen, dass das anstrengendste nicht die Wanderung selbst wäre, sondern das wiederholte Bücken nach dem Müll.

Mich hat an den beiden vor allem begeistert, dass sie so unfassbar gut drauf waren und strahlten. Mir kam es vor als ob ihr Humor und ihr positives Denken stärker war als die "Arbeit" selbst oder die Tatsache, dass so viele Menschen so viel Müll achtlos in der Natur hinterlassen.

Deswegen habe ich sie gefragt, ob ich sie fotografieren darf und ihre Geschichte im Ranger Tagebuch veröffentlichen darf. Danke auch dafür ; )

Natürlich möchte ich mich hiermit auch nochmal bei Euch für die Aktion selbst bedanken und die Gelegenheit nutzen auch generell allen heimlichen Kümmerern, achtsamen und verantwortungsvollen Ehrenamtlichen zu danken!

Das ist übrigens keineswegs ein Einzelfall gewesen. Ich habe öfters beobachtet, wie SpaziergängerInnen, WandererInnen und KajakfahrerInnen nebenbei oder gezielt Müll anderer entsorgen, Verantwortung für die Natur übernehmen und zumindest mir persönlich dadurch wieder das wünschenswerte soziale Engagement der Menschen (das Gute im Menschen) bewusst werden lassen.

Nochmal DANKE! : )

Volksbegehren "Rettet die Bienen" und Schongaus Straßenbegleitgrün



Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" Anfang des Jahres 2019 forderte die Politik auf, mehr für die Artenvielfalt und gegen das Sterben der Insekten zu unternehmen. So wie der Panda oder der Tiger als Symbole für den Arten- und Umweltschutz verwendet werden, so fungiert bei diesem Vorhaben die Biene stellvertretend für viele vom aussterben bedrohte Insekten. Es geht hier vor allem um Wildbienen, nicht um die Honigbiene, die wir vor allem durch den Besuch bei Imkern kennen. Bei solchen Symbol-Tieren geht es nie um das einzelne Tier, sondern um einen bestimmten Lebensraum, in welchem Tiere und Pflanzen leben.

 

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hat große Kontroversen hervorgerufen.

Trotzdem hat sich ein großer Teil der Bayerischen Bevölkerung nicht nur für die Forderungen interessiert, sondern sich dafür ausgesprochen. Gleichzeitig hat das Volksbegehren der Bayerischen Landesregierung einen Entwurf für ein neues Gesetz zur Artenvielfalt zugespielt.

In den Forderungen geht es vor allem um die Vermeidung und das Verbot von Pestiziden (vorwiegend in Naturschutzgebieten), um den Schutz von Streuobstwiesen und bestimmten Grünland und um eine Erhöhung der Flächenanteile des Ökolandbaus.

Für weitere Informationen zum Volksbegehren könnt Ihr folgende Seite durchstöbern und um eine erste Bilanz nach einem Jahr nach der Annahme des Begehrens geht es im folgenden Link https://volksbegehren-artenvielfalt.de/2020/07/16/meint-es-die-regierungskoalition-ernst-mit-dem-artenschutz-2-2/

 

Mit einer Forderung dieses Volksbegehrens fühle ich mich in den letzten Monaten immer wieder konfrontiert. Nämlich mit dem Schutz von Grünland. [Grünland... Was ist das genau? Siehe Kasten weiter unten ; )]

 

Grünland im weiteren Sinne ist das Straßenbegleitgrün - und nun komme ich also zu dem Thema dieses Beitrages : ))

Das Straßenbegleitgrün. Wir vom Verein Lebensraum Lechtal haben unsere Geschäftsstelle zwar in Augsburg aber wir haben auch ein Büro in Schongau. Jedes Mal wenn ich in Schongau auf dem Weg zum Büro bin sehe ich diese wunderschönen Blütenflächen mit vielen einheimischen Pflanzen, wie den blauen Glockenblumen, Schafgarbe, dem gelben Rainfarn, dem wohriechenden Dost und vielen anderen. Und tatsächlich! Da tummeln sich unfassbar viele Insekten, wie der veränderlichen Krabbenspinne, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Wespen und anderen. Ich kann euch nicht sagen wie sehr mich der Anblick dieser Pflänzchen und der Flieger und Krabbler freut!

Nicht genug, dass die Stadtgärtnerei also die einheimischen Pflanzen sät, sie fördert sie auch! Das bedeutet, wenn die Flächen gemäht werden, lässt man zum Beispiel alle Glockenblumen stehen, sodass sie sich aussamen können. Diese Taktik ist erfolgreich!

 


 

Das Schöne ist, dass wir alle etwas für die Artenvielfalt machen können. Ganz leicht - und die Stadtgärtnerei Schongau macht es uns vorbildlich vor.

Denn es ist einfacher einheimische Blumen anzusäen als jeden Sommer das Gras mehrmals kurz zu schären und es anschließend wieder gießen zu müssen. Einheimische Pflanzen kommen mit den Bedingungen ohne menschliche Pflege zurecht.

 

Und ich muss Euch noch etwas tolles berichten... Ich hatte unfassbares Glück und habe den Kontakt zu Carlotta Prestien bekommen. Neben dem Stadtförster Klaus Thien hat Ihr Papa Bernd Pietruschka die Stadtgärtnerei in diese naturschutzfachliche Richtung gelenkt. Carlotta ist aber nicht nur die Tochter von Bernd, sondern mit Ihren 13 Jahren eine sehr begabte Filmemacherin und Moderatorin! Ich möchte hier noch einmal Carlotta ganz herzlich Danken, dass sie für unseren Verein ein Video über das Straßenbegleitgrün Schongaus erstellt hat, inklusive einem Interview mit Bernd Pietruschka! Und nach unserem heutigen Plausch bin ich gespannt wie ihre zukünftigen Videos mit neuem Equipment aussehen werden : )

 

Ich wünsche Euch viel Spaß bei dem (sechsminütigen) Video! : )


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Zusatzinfo

 

Was bedeutet denn "Grünland" genau?

 

In Deutschland verstehen wir unter Grünland vor allem Flächen, welche durch die Landwirtschaft zu Futtergewinnung für die Nutztiere oder zur Energiegewinnung genutzt werden. Durch diese Nutzung wird das Aufwachsen von Büschen und Bäumen verhindert. Die Flächen werden dadurch offen gehalten. Hier gibt es zwei Hauptformen. Zum einen ist das die Weide. Wie der Name schon sagt, wird diese Fläche beweidet, vorwiegend durch Kühe. Zum anderen ist das die Wiese. Diese Flächen werden gemäht.

 

Du kannst Weiden und Wiesen unterscheiden, da die Weidetiere nicht alles wahllos fressen, sondern bestimmte Pflanzen bevorzugen oder sogar meiden. Wenn Du zum Beispiel Disteln auf einem Grünland siehst, kannst Du daraus schließen, das hier wahrscheinlich beweidet wird, da die stacheligen Disteln kaum oder ungern von Tieren gefressen wird. Auch der schöne blaue Enzian schmeckt zum Beispiel den Kühen nicht. Wenn eine Fläche gleichmäßig kurzgeschoren ist, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Wiese.

 

Neben den landwirtschaftlich genutztem Grünland gibt es noch geschützte Flächen, sogenanntes Biotopgrünland. Diese Flächen sind entweder zu trocken oder zu feucht und eignen sich dadurch nicht oder kaum für wirtschaftliche Zwecke. Hier kann ich vor allem die Magerwiesen und die Streuwiesen nennen.

 

Wann hast Du das letzte Mal ein bunt blühendes, aromatisch riechendes, lebendiges Grünland gesehen? Und mit lebendig meine ich, dass es da nur so kreucht, wimmelt und fliegt, voller Käfer, Grashüpfer und Schmetterlinge...

Solche Flächen gibt es heutzutage nicht mehr oft bei uns in Deutschland. Zum Glück haben wir am Lech noch einige Magerwiesen, die von Ehrenamtlichen, Vereinen und den Behörden gepflegt und erhalten werden : )

 

Ansonsten kann man sagen, je intensiver ein Grünland genutzt wird, desto artenärmer ist es. Es gibt also noch eine weitere Unterscheidung von Grünlandflächen, nicht nur ob es eine landwirtschaftlich genutzte oder landschaftlich geschützte Fläche handelt, sondern auch nach der Intensität der Nutzung. Hier unterscheiden wir nach Intensivgrünland und Extensivgrünland.